SBF-See oder Sportbootführerschein See
Also, um es vorweg zu nehmen: ich bin nicht verantwortlich
für die Namensgebung der Segelscheine!
Dieser, um den es hier geht, heisst
Amtlicher Sportbootführerschein See
oder im Sprachgebrauch abgekürzt zu SBF-See.
Und weil der korrekte Name so typisch Amtsdeutsch-umständlich
ist,
haben sich im Laufe der Zeit verschiedene "Aliasse" entwickelt, als da
sind
- Küstenschein
- Motorbootschein See oder Küsten
- Bootsführerschein Küste
- SBF-See
Sie alle bezeichnen denselben Schein. Der Einfachheit halber
bleibe ich bei der Bezeichnung SBF-See.
Wer als Schiffsführer auf den Seeschifffahrtsstrassen
(schon wieder so ein amtlicher Begriff!) ein Boot
führen möchte, muss im Besitz dieses Führerscheins sein.
Was sind die Seeschifffahrtsstrassen?
Ganz einfach ausgedrückt, alle Wasserwege, die nicht
Binnenschifffahrtsstrassen sind.
Ich kann es Ihnen nicht verdenken, wenn Ihre Verwirrung nun
perfekt ist.
Gemeint sind damit offene Gewässer, die man besser unter den
Namen Ostsee, Nordsee, Mittelmer, Atlantik
usw. kennt, soweit es Europa betrifft. Natürlich zählen auch die
offenen
Gewässer der übrigen Kontinente zu den Seeschifffahrtsstraßen, aber der
Einfachheit halber bleiben wir mal in Europa.
Auch einige Flüsse, die Verbindung mit der offenen See haben,
wie in
Deutschland z.B. die Elbe, gehören zumindestens teilweise
bis zu einer bestimmten Grenze (in diesem Fall im Hamburger Hafen) zu
den
Seeschifffahrtsstraßen, im weiteren Verlauf ist die
Elbe dann ein Binnengewässer.
Wer es genau wissen will, sollte den folgenden
Auszug aus der Seeschifffahrtsstraßenordung (SeeSchStrO) lesen, der
unter folgendem
Link im kompletten Wortlaut veröffentlicht ist und heruntergeladen
werden kann.
SeeSchStrO
Zitat aus der SeeSchStrO
Seeschifffahrtsstraßen im Sinne dieser Verordnung sind
- 1. die Wasserflächen zwischen der Küstenlinie bei mittlerem
Hochwasser oder der seewärtigen Begrenzung der Binnenwasserstraßen und
einer Linie von drei Seemeilen Abstand seewärts der Basislinie,
- 2. die durchgehend durch Sichtzeichen B. 11 der Anlage I
begrenzten Wasserflächen der seewärtigen Teile der Fahrwasser im
Küstenmeer.Darüber hinaus sind Seeschifffahrtsstraßen im Sinne dieser
Verordnung die Wasserflächen zwischen den Ufern der nachstehend
bezeichneten Teile der angrenzenden Binnenwasserstraßen:
- 3. Weser bis zur Nordwestkante der Eisenbahnbrücke in
Bremen mit den Nebenarmen Schweiburg, Rechter Nebenarm, Rekumer Loch
und Westergate;
- 4. Lesum und Wümme bis zur Ostkante der Franzosenbrücke in
Borgfeld;
- 5. Hunte bis zum Hafen Oldenburg einerseits und bis 140
Meter unterhalb der Amalienbrücke in Oldenburg andererseits;
- 6. Elbe bis zur unteren Grenze des Hamburger Hafens mit der
Wischhafener Süderelbe von km 8,03 bis zur Mündung in die Elbe), dem
Ruthenstrom (von km 3,75 bis zur Mündung in die Elbe) und der
Bützflether Süderelbe (von km 0,69 bis zur Mündung in die Elbe);
- 7. Oste bis zur Nordostkante des Mühlenwehres in
Bremervörde;
- 8. Freiburger Hafenpriel bis zur Ostkante der Deichschleuse
in Freiburg an der Elbe;
- 9. Schwinge bis zur Nordkante der Salztorschleuse in Stade;
- 10.Lühe bis zum Unterwasser der Au-Mühle in Horneburg;
- 11.Este bis zum Unterwasser der Schleuse in Buxtehude;
- 12.Stör bis zum Pegel in Rensing;
- 13.Krückau bis zur Südwestkante der im Verlauf der Straße
Wedenkamp liegenden Straßenbrücke in Elmshorn;
- 14.Pinnau bis zur Südwestkante der Eisenbahnbrücke in
Pinneberg;
- 15.Eider bis Rendsburg und Sorge bis zur Südwestkante der
im Verlauf der Bundesstraße 202 liegenden Straßenbrücke an der
Sandschleuse;
- 16.Gieselaukanal;
- 17.Nord-Ostsee-Kanal – einschließlich Audorfer See und
Schirnauer See – von der Verbindungslinie zwischen den Molenköpfen in
Brunsbüttel bis zu der Verbindungslinie zwischen den Einfahrtsfeuern in
Kiel-Holtenau mit Obereidersee mit Enge, Borgstedter See mit Enge,
Flemhuder See und Achterwehrer Schifffahrtskanal;
- 18.Trave bis zur Nordwestkante der Eisenbahnhubbrücke und
der Nordkante der Holstenbrücke (Stadttrave) in Lübeck mit Pötenitzer
Wiek, Dassower See und den Altarmen an der Teerhofinsel;
- 19.Warnow mit Nebenarmen am Mühlendamm bis zur Südkante der
Eisenbahnbrücke Rostock–Stralsund;
- 20.Ryck bis zur Ostkante der Steinbecker Brücke in
Greifswald;
- 21.Uecker bis zur Südwestkante der Straßenbrücke in
Ueckermünde.
Zurück zu unserem Thema
Nachdem Sie also festgestellt haben, dass Sie den SBF-See
für Ihre
Ausflüge mit einem Boot brauchen, möchten Sie wahrscheinlich wissen,
wie Sie an diesen Schein kommen und was Sie dafür
lernen müssen.
Sie müssen - ebenso wie bei allen anderen
Sportbootführerscheinen - eine
Theorie- und eine Praxisprüfung
vor einem staatlichen Prüfungssausschuß ablegen.
In diesem Fall besteht die Praxisprüfung daraus,
mit einem Motorboot
bestimmte Manöver zu fahren. Erforderlich sind 5 Pflichtmanöver, 2
sonstige Manöver sowie die Vorführung und Erläuterung von 6 Knoten.
Zu den Pflichtmanövern gehören
- Vorwärts- und Rückfährtsfahrt
- Fahren nach Kompass
- Mensch-über-Bord-Manöver
- An- und Ablegen
- Wenden auf engstem Raum
- Aufstoppen
Sonstige Manöver/Fähigkeiten sind:
- Anlegen einer Rettungsweste und eines
Sicherheitsgurtes
- Kenntnis der Manöverschallsignale
- Kenntnisse und Anwendung der maßgebenden
schifffahrtspolizeilichen Vorschriften (z.B. KVR, SeeSchStrO u.a.)
-
Das sind alles keine schwierigen Manöver, und mit etwas
Übung und einer
guten Ausbildung ist es kein
Problem, die Praxisprüfung zu bestehen.
Achtung: bei diesem Führerschein wird keine Segelpraxis
geprüft!
Die Theorieprüfung ist schon etwas umfangreicher
und anspruchsvoller.
Folgende Themen gehören dazu:
- Nautische Grundkenntnisse
- Seemannschaft
- Wetterkunde
- Gesetzeskunde
Der gesamte Fragenkatalog umfasst 285 Prüfungsfragen sowie
15 (mehrteilige) Navigationsaufgaben.
Sie bekommen bei der Prüfung einen Fragebogen, in dem Sie
eine Navigationsausgabe lösen sowie 7 Basisfragen und 23 spezielle
Fragen See beantworten müssen.
Seit der Änderung der Prüfungsrichtlinien am 1.5.2012
werden die Prüfungsfragen im Multiple Choice Verfahren gestellt. D.h.
pro Frage stehen 4 mögliche Antworten zur Verfügung, von denen jeweils
nur eine Frage richtig ist. Pro richtige Antwort gibt es 1 Punkt.
Bestanden haben Sie die Prüfung, wenn Sie mindestens 24 Punkte bei den
Basisfragen und den speziellen Fragen See sowie 7 Punkte bei der
Navigation erreicht haben.
- Eine mündliche Nachprüfung gibt es nicht mehr. Wer also die
Mindestpunktzahl nicht erreicht, ist durchgefallen, und zwar in der
gesamten theoretischen Prüfung.
Notwendiges Handwerkszeug
Für die Theorieausbildung und -prüfung benötigen Sie ein 
Navigationsbesteck
Das besteht aus einem
- Navigationszirkel
- Kursdreieck
- Anlegedreieck
sowie Bleistift und Radiergummi.
Der Navigationszirkel unterscheidet sich durch
einen Geometriezirkel
in erster Linie dadurch, dass er stumpfe Enden hat. Dadurch wird
vermieden, dass
die Seekarte "durchlöchert" wird.
Das Kursdreieck hat im Gegensatz zu einem
herkömmlichen Geo-Dreieck die Gradzahlen
eines Kreises von 0 bis 360 auf seiner Skala.
Das Anlegedreieck wird nur zum Verschieben des
Kursdreiecks benötigt. Man könnte
hierfür auch ein kurzes Lineal oder ähnliches verwenden.
Zu guter Letzt die wichtigste Frage:
Wer bildet zum SBF-See aus?
Normalerweise jede gute Segel- und Motorbootschule.
Ja, Sie haben richtig gelesen: jede.
Also nicht nur die Schulen, die an der Ostsee oder Nordsee
ihren Sitz haben, sondern auch alle Schulen, die überall im ganzen Land
Ausbildung anbieten.
Sie können bei den dortigen Prüfungsausschüssen sogar die
Prüfung ablegen!
Was das bedeutet, können Sie sich leicht vorstellen:
Sie erwerben einen Führerschein, der Sie zum Führen von
Booten auf der SEE berechtigt - aber Sie müssen zum Erwerb des
Führerscheins niemals an oder gar auf der See gewesen sein!
Ein gutgemeinter Rat zum Schluss
Nach bestandener Prüfung haben Sie irgendwann Ihren
nagelneuen SBF-See in der Tasche. Bereit, die Welt zu erobern und die
Meere unsicher zu machen.
Passen Sie bitte auf sich auf! Denken Sie daran, dass Sie
mit dem Erwerb dieses Führerscheins Grundkenntnisse erworben haben. Es
gibt noch viel zu lernen und vor allem: zu erfahren.
Bringen Sie nicht sich und andere in Gefahr, indem Sie
sich und Ihre Fähigkeiten überschätzen und die Natur unterschätzen.
Begegnen Sie der Natur mit Demut - denn sie ist stärker
als alles andere.